Schulberg wird zur rauchfreien Zone

Schulen, Stadt und Polizei wollen ab nächstem Schuljahr das Rauchen von Schülern auf dem Schulberg einschränken – ein bayernweit beispielloses Projekt.



 Ab dem neuen Schuljahr soll auf dem Chamer Schulberg nicht mehr geraucht werden: Nicht nur in den Schulen selbst soll es keinen Qualm mehr geben, sondern auch af den öffentlichen Straßen und Plätzen, die an die Schulen angrenzen. Rauchende Schüler über 18 Jahren werden in drei Raucherzonen verwiesen. Verstöße gegen das Rauchverbot sollen erst mit einem Eintrag in eine Liste, später mit einem Verweis, dann mit einem Anti-Rauchkurs und in letzter Konsequenz mit einem verschärften Verweis geahndet werden. Darauf haben sich die am Schulberg ansässigen Schulen geeinigt.
Am Freitag stellte Initiator Andreas Bucher von der Berufsschule das Konzept in Anwesenheit aller Schulleiter, der Polizei und von Bürgermeisterin Karin Bucher vor. Im bayerischen Kultusministerium zeigte man sich auf Nachfrage über die Initiative überrascht. „Klingt gut“, sagte Pressesprecherin Nicole Steinbach. Ihr sei bayernweit kein ähnliches Projekt bekannt. Allerdings riet sie dringend dazu, den rauchfreien Schulberg auf freiwilliger Basis und ohne Maßnahmen wie Verweise umzusetzen.
In der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Bonn geht man davon aus, dass es weitere solche rauchfreien Zonen im öffentlichen Straßenraum um Schulen gibt. Rund ein Viertel von 120 befragten Berufsschullehrern in Bayern hätten dazu positive Rückmeldungen gegeben. Konkrete Schulen konnte die Sprecherin der Bundeszentrale, Dr. Marita Völker-Albert, aber „aus Datenschutzgründen“ nicht benennen.
Zwei Dinge wollen Schulleiter, Stadt und Polizei am Chamer Schulberg erreichen: Zum einen soll die Verschmutzung des Eingangsbereiches der Schulen durch Kippen verhindert werden, erläuterte Andreas Bucher. Zum anderen will man verhindern, dass Rauchergruppen den Gehweg blockieren und jüngere Schüler in den Straßenraum ausweichen müssen. Pädagogisch gehe es darum, jüngeren Schülern durch ältere, rauchende Schüler kein schlechtes Vorbild zu geben. Die Stadt Cham und die Polizei würden das Verschmutzen mit Kippen oder Zigarettenschachteln künftig mit einem Bußgeld von 20 Euro belegen. Zudem würden die Schüler der jeweiligen Schule gemeldet.
Die positive Vorbildfunktion und das Vermeiden von „300 Zigarettenkippen täglich“ vor ihrer Schule sind wichtige Gründe für die Berufsschulleiterin Elisabeth Fäth-Marxreiter, das Projekt „Rauchfreier Schulberg“ anzustoßen. Günter Habel vom Schuman-Gymnasium sieht im gemeinsamen Projekt Rauchfreier Schulberg eine „Signalwirkung“. Den Schülern werde gezeigt, dass man auf Raucher auch erzieherisch einwirken werde. Unterstützung der Eltern wünschte sich der Fraunhofer-Schulleiter Rudolf Reinhardt, und der Maristen-Schulleiter Josef Maier sagte, seine Schule werde auch die Eltern auffordern, auf dem Schulberg nicht zu rauchen.
Bürgermeisterin Karin Bucher unterstützt das Projekt aus zwei Erwägungen. Zum einen, um weniger Verschmutzungen im Schulbereich zu haben, und zum anderen, um ein Umdenken im Sinne der Gesundheitsförderung bei den Schülern zu erreichen. Der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Cham, Alfons Windmaißer, sagte zu, dass die Polizei das Projekt durch Kontrollen unterstützen werde.

Pressebericht
Bayerwald Echo vom 11.07.2009